Heute möchte ich meine Traurigkeit mit Euch teilen. Meine persönliche und auch meine fachliche.

Die Römerschanze in Lindau wurde umgestaltet. Die Römerschanze ist ein Platz auf der Lindauer Insel. Ein sehr besonderer Platz. Meiner Wahrnehmung nach der Wichtigste in ganz Lindau überhaupt.

Dort liegt meiner Meinung nach die eigentliche – weit vorchristliche – Keimzelle der Stadtentwicklung, auch wenn die vorhandene, mir teils als überholt und eher tendentiös scheinende patriarchal-christliche Geschichtsschreibung zur Gründungsgeschichte der Stadt anderes festschreibt.

An diesem Ort kommen die natürlichen, landschaftsenergetischen Vitalkräfte mit den identifikativ-kulturellen Wurzeln der Stadt Lindau zusammen und bündeln sich zu einem herausragenden Kraftpunkt für den gesamten Landschaftsraum Bodensee. Dieser Platz ist Sitz des Genius Loci Lindaus, dort stand in ganz alter Zeit der Tempel der Lindavia, hierher rettete sich, der Legende nach, Aurelia durch beherzte Sprünge über die sog. Hexensteine und hier liegen auch die Anfänge des Lindauer Damenstiftes … aber dazu an anderer Stelle mehr.

Früher bestand die heutige Lindauer „Insel“ aus drei einzelnen Inseln. Der Hauptinsel, der hinteren Insel und der Kleinsten, ehemals „auf Burg“ genannten. Das ist unsere heutige „Römerschanze“.

Der Stelle im See zugewandt, an der sich ehemals Vater Rhein und Mutter See vereinten, lag sie, ebenfalls ehemals, wie ein Embryo vor der Mutterinsel. Verbunden durch die Nabelschnur einer kleinen Brücke. Diese Brücke wurde behütet von den sog. „Schwestern am Steg“.

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Hier spricht die lebendige Landschaft zu uns; in einer sehr deutlichen Sprache, wenn wir denn hinhören und mit dem Herzen sehen … von der heiligen Hochzeit archetypischer Kräfte, neues Leben schöpfend; Liebe, Verbindung, Neubeginn und Fülle … das ist die beglückende, lebensfördernde Qualität der Lindavia, Genius Loci Lindaus, DIE herausragende naturräumliche Ressource des Ortes und energetisch-emotionales Geschenk der Landschaft an uns Menschen.

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Dieses Inselchen hat viel gesehen … mit der Christianisierung und damit der Verdrängung der alten „heidnischen“ Kultur kam die Überformung – aus dem Tempel wurde die frühchristliche Aurelienkapelle, im Mittelalter dann die stattliche Jakobskapelle. Anfang des 19 Jhdt., der Säkularisierung sei Dank, wurde sie abgebrochen und deren Steine zum Neubau des Hafens verwendet. 1865 schließlich, wurde das bis dato eigenständige dritte Inselchen durch Aufschüttungen mit der Hauptinsel verbunden.

Und nun also die neuerliche Anpassung an den Zeitgeist. Auf eine Art, die mich sehr traurig macht. Modern, funktional, Rollstuhl- und Radfahrer gerecht ist sie nun, aufgeräumt, steril, sauber und … entseelt.

Die Hauptausrichtung des Platzes geht, wie früher auch, gen Bregenz, besser gesagt gen Rheinzufluss in den See. Jeder, der diesen Platz betritt, steht auf kurz oder lang oben an der Mauer unter der bergenden Krone der wunderbaren Rotbuche und blickt über den See … das ist die energetische Grundausrichtung dieses Ortes.

Diese Blick- und vor allem auch Energieachse lässt uns eintauchen in den alten Zauber, wirkt immer noch, wenn auch den meisten nicht bewusst; der profanen Welt dabei den Rücken kehrend …

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Und genau diese „profane Welt“ fällt nun, über die neue brachiale Weitstufenöffnung dem Zauber in den Rücken. Ausgerechnet in den Rücken! Denn den, den haben wir gern gestärkt und geschützt, oder? Denn nur so fühlen wir uns sicher und können uns auf das fokussieren, was vor uns liegt. Uns dadurch auch auf seelische Erfahrungsräume und gelebte Tiefe einlassen.

Vormals hielten – zumindest im Kronenbereich der alten Rotbuche – hohe Büsche den rückwärtigen Raum und nur ein schmales Treppchen führte, ganz am Rande zum besond´ren Ort. So war der Platz weitgehend von hinten gehalten und geschützt. Die ortsspezifischen Kräfte konnten sich sammeln und verdichten. Und wir Besucher konnten in Ruhe eintauchen in die uralten Tiefendimensionen dieses besonderen Kraftortes. Andacht, Ruhe, Stille, Versenkung, Wertschätzung, Communio von Mensch und Ort, Mensch und Natur im Miteinander …
In diesen „Rücken“ wurde nun eine breite Bresche geschlagen. Es klafft ein weites Loch am Abhang. Nun brausen die Mountainbiker, es rattern die Skater und es brandet Inseltrubel und Verkehr im Rücken der nicht mehr ganz so versunkenen Besucher – stete Unruhe, hinterrücks.

Stellt Euch mal hin und probiert es aus, spürt hinein… zu zugänglicher Zauber wirkt entzaubernd, wird dadurch profanisiert, bloß gestellt …

Der Platz ist nun wie ein pittoresker Eimer mit großem Loch. An der ungünstigsten Stelle überhaupt. Die Kraft läuft aus. Das ist kein esoterisches Blabla, sondern gesunder Menschenverstand kombiniert mit fühlendem Auge, angewandter physikalischer Strömungslehre und modernem, körper- und raumenergetischem Grundlagenwissen.

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Liebe Verantwortliche, liebe Stadtverwaltung, liebe Landschafts- und Stadtplaner die ihr dies geplant und umgeset